Lösungsmittel

ALCOHOL
Einfacher aliphatischer Alkohol (Ethanol)

ALCOHOL ist Kosmetisches Ethanol wird hauptsächlich durch Fermentation von Stärke oder Zucker (z. Erfahre hier alles ueber Herkunft, Wirkung und die beste Anwendung in deiner taeglichen Pflegeroutine.

CAS: 64-17-5  |  Auch bekannt als: Ethanol, Ethylalkohol, Alcohol denat. (denaturiert), SD Alcohol 40 (US-Bezeichnung), Weingeist, Spiritus, EtOH
Stoffklasse Einfacher aliphatischer Alkohol (Ethanol)
INCI-Name ALCOHOL
CAS-Nummer 64-17-5
Komedogenitaet Grad 0 (nicht komedogen)

Was ist ALCOHOL?

ALCOHOL (INCI) bezeichnet in der Kosmetik Ethanol (Ethylalkohol), den einfachsten zweiwertigen Alkohol mit der Formel C₂H₅OH. Nicht zu verwechseln mit Fettalkoholen wie Cetyl- oder Stearylalkohol, die hautpflegend wirken – Ethanol ist ein flüchtiges Lösungsmittel mit antimikrobiellen, adstringierenden und penetrationsverstärkenden Eigenschaften. Seit Jahrtausenden in der Medizin als Desinfektionsmittel eingesetzt, ist Alkohol heute einer der kontroversesten Inhaltsstoffe in der Hautpflege: Befürworter schätzen die mattierenden, porenverfeinernden und konservierenden Effekte, Kritiker warnen vor Austrocknung und Barriereschschädigung. Die Wahrheit liegt – wie so oft – in der Dosierung: Während 70%iger Alkohol in Handdesinfektionsmitteln unverzichtbar ist, können hochkonzentrierte Gesichtswasser (20-40%) bei täglicher Anwendung die Lipidbarriere nachhaltig schwächen. In modernen Formulierungen wird Ethanol oft unter 10% dosiert und mit Feuchthaltemitteln gepuffert.

Wusstest du? Alkohol war das erste offiziell anerkannte Desinfektionsmittel der Geschichte: 1847 entdeckte der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis, dass Händewaschen mit Chlorkalk und Alkohol die Müttersterblichkeit in Geburtskliniken von 18% auf 1% senkte – lange bevor die Existenz von Bakterien bewiesen war.

Woher kommt ALCOHOL?

Kosmetisches Ethanol wird hauptsächlich durch Fermentation von Stärke oder Zucker (z.B. aus Getreide, Zuckerrohr) gewonnen und anschließend destilliert. In der Kosmetik wird meist denaturiertes oder vergälltes Ethanol eingesetzt, um Alkoholsteuer zu vermeiden. In der modernen Kosmetik unterliegt die Gewinnung und Verarbeitung strengen Qualitaetsstandards gemaess der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. RAU Cosmetics bezieht ausschliesslich Rohstoffe in Kosmetik-Qualitaet von geprueften Lieferanten.

Wie wirkt ALCOHOL auf zellulaerer Ebene?

Ethanol durchdringt die Lipidbarriere der Haut durch seine amphiphile Struktur (hydrophiler OH-Kopf, lipophiler Ethyl-Rest). Es denaturiert Proteine an der Hautoberfläche bei Konzentrationen über 40%, wodurch es antimikrobiell wirkt. Gleichzeitig löst es Lipide aus dem Stratum corneum und erhöht die Penetration anderer Wirkstoffe. Der schnelle Verdunstungseffekt erzeugt ein kühlendes Hautgefühl und mattierende Wirkung.

So wirkt ALCOHOL auf deine Haut

Sofortige Mattierung

Ethanol verdunstet bei Raumtemperatur innerhalb von Sekunden und entzieht dabei der Haut überschüssiges Sebum. Die lipidlösenden Eigenschaften lösen Talg an der Oberfläche, während die schnelle Evaporation ein mattes, trockenes Finish hinterlässt. Dieser Effekt hält 2-4 Stunden an, je nach Sebumproduktion.

Penetrationsverstärker

Alkohol stört temporär die lamelläre Lipidstruktur des Stratum corneum und erhöht die Permeabilität der Haut. Hydrophile Wirkstoffe wie Vitamin C oder Niacinamid können dadurch 2-3x tiefer eindringen. Dieser Effekt tritt bereits ab 5-10% Konzentration ein und erreicht sein Maximum bei 20-30%.

Antimikrobielle Desinfektion

Ab 60% Konzentration denaturiert Ethanol bakterielle und virale Proteine binnen 30 Sekunden. Die hydrophobe Ethylgruppe durchdringt die Zellmembran, während die OH-Gruppe Wasserstoffbrücken zu Proteinen bildet und diese irreversibel entfaltet. Bei 70% Alkohol werden 99,9% der Keime eliminiert.

Adstringierende Wirkung

Ethanol fällt oberflächliche Hautproteine aus und zieht Poren optisch zusammen. Die Denaturierung von Keratinozyten-Proteinen führt zu einer temporären Verdichtung der Hautoberfläche. Dieser porenverkleinernde Effekt ist jedoch nur kosmetisch und hält 1-2 Stunden an.

Konservierungsboost

Ab 15-20% Konzentration senkt Alkohol die Wasseraktivität (aW-Wert) in Formulierungen erheblich, wodurch mikrobielles Wachstum gehemmt wird. Er fungiert als Co-Konservierungsmittel und erlaubt die Reduktion klassischer Konservierungsstoffe um 30-50%.

Dosierung & Regulierung

Typische Einsatzkonzentration: 5-40% in Tonic/Gesichtswasser, 10-70% in Desinfektionsmitteln, 1-10% in Cremes/Seren als Lösungsvermittler. Bei Leave-on-Produkten meist unter 15%.
EU-Regulierung: Keine spezifische Einschränkung gemäß EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Bei denaturiertem Alkohol müssen Denaturierungsmittel deklariert werden.

Fuer wen ist ALCOHOL geeignet?

Ölige Haut

Entfettet die Hautoberfläche, mattiert sofort und reduziert Glanz durch schnelle Verdunstung und lipidlösende Eigenschaften.

Unreine Haut/Akne

Wirkt ab 60-70% antimikrobiell gegen Propionibacterium acnes und desinfiziert durch Proteindenaturierung.

Mischhaut

Kann in der T-Zone mattierend eingesetzt werden, sollte aber nicht großflächig angewendet werden.

ALCOHOL in deiner Routine

Reinigung (bei fettiger Haut)

Nach der Gesichtsreinigung 1-2 ml alkoholhaltiges Tonic (10-20%) auf ein Wattepad geben und über T-Zone streichen. Nicht auf trockene Wangen auftragen.

Akut-Desinfektion

Bei Pickeln punktuell mit 70% Alkohol-Lösung auf einem Q-Tip betupfen. Maximal 2x täglich, nicht großflächig anwenden, da sonst Hautbarriere geschädigt wird.

Formulierungs-Booster

In selbstgemachten Seren kann 5-10% Alkohol verwendet werden, um wasserlösliche Aktivstoffe wie Vitamin C besser zu penetrieren. Immer mit Feuchtigkeit (Hyaluronsäure) kombinieren.

Nicht bei geschädigter Haut

Bei Rosacea, Ekzemen, Neurodermitis oder nach chemischen Peelings komplett meiden. Alkohol verschlimmert Entzündungen und verzögert Wundheilung.

Lagerung: Ethanol ist hochvolatil und verdunstet bei 78°C (bereits bei Raumtemperatur langsam). In offenen Behältern sinkt die Konzentration über Wochen um 5-10%. Lichtunempfindlich, aber hygroskopisch – zieht Wasser aus der Luft an, wodurch sich die Konzentration in nicht luftdichten Verpackungen über Monate verdünnt. Bei Formulierungen mit >20% Alkohol empfiehlt sich Airless-Verpackung.

RAU Cosmetics Produkte mit ALCOHOL

Haeufige Fragen zu ALCOHOL

Warum wird Alkohol in Kosmetik überhaupt verwendet, wenn er austrocknend wirkt?

Alkohol erfüllt multiple Funktionen: Er löst lipophile Wirkstoffe wie Retinoide oder ätherische Öle in wässrigen Systemen, stabilisiert pH-sensitive Inhaltsstoffe (z.B. Vitamin C), erzeugt leichte, schnell einziehende Texturen und konserviert die Formulierung. In Konzentrationen unter 10% ist die austrocknende Wirkung minimal, wenn hydratisierende Stoffe wie Glycerin oder Hyaluronsäure enthalten sind. Problematisch wird es erst ab 15-20% in Leave-on-Produkten ohne Feuchthaltemittel.

Stimmt es, dass Alkohol die Hautbarriere dauerhaft schädigt?

Bei chronischer Anwendung hochkonzentrierter Produkte (>20% Alkohol) ja. Studien zeigen, dass tägliche Exposition über 4-6 Wochen die Ceramid-Synthese hemmt und den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) um 40-60% erhöht. Die Hautbarriere regeneriert sich aber normalerweise innerhalb von 2-4 Wochen nach Absetzen. Gelegentliche Nutzung (2-3x/Woche) oder niedrige Konzentrationen (<10%) verursachen keine irreversiblen Schäden bei gesunder Haut.

Ist Alkohol in Anti-Aging-Produkten sinnvoll oder kontraproduktiv?

Zweischneidiges Schwert: Einerseits erhöht Alkohol die Penetration von Retinol, Vitamin C und Peptiden um das 2-3fache, was deren Wirksamkeit steigert. Andererseits beschleunigt er die Hautalterung durch oxidativen Stress – beim Verdunsten entstehen freie Radikale. Zusätzlich hemmt chronische Alkoholexposition die Kollagensynthese um 15-25% (in-vitro-Studien). Fazit: In Rinse-off-Produkten okay, in täglichen Anti-Aging-Seren besser meiden und auf Alternativen wie Propanediol setzen.

Warum brennt Alkohol auf der Haut, Öle aber nicht?

Ethanol aktiviert den TRPV1-Rezeptor (Transient Receptor Potential Vanilloid 1) in sensorischen Nervenfasern der Haut – denselben Rezeptor, der auch auf Capsaicin (Chili) reagiert. Die OH-Gruppe des Alkohols bindet an die Rezeptor-Tasche und löst ein Brennsignal aus. Gleichzeitig entzieht Alkohol der Haut Wasser, was zu Mikro-Irritationen führt. Öle haben keine polaren Gruppen und können TRPV1 nicht aktivieren.

Gibt es Unterschiede zwischen Bio-Alkohol, denaturiertem Alkohol und SD Alcohol 40?

Chemisch identisch (alle sind Ethanol), aber rechtlich unterschiedlich. Bio-Alkohol stammt aus kontrolliert biologischem Anbau (z.B. Bio-Weizen) und ist unvergällt – kosmetisch am hochwertigsten, aber teuer. Denaturierter Alkohol (Alcohol denat.) enthält Vergällungsmittel wie Bitrex oder Diethylphthalat, um ihn ungenießbar zu machen und Alkoholsteuer zu sparen. SD Alcohol 40 (Specially Denatured) ist eine US-Bezeichnung für mit tert-Butanol vergälltes Ethanol. Hautverträglichkeit hängt vom Denaturierungsmittel ab – Bitrex ist unbedenklich, Phtalate sollten gemieden werden.

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